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Zierfisch-Lexikon


Labyrinthfische (Kletterfische):
Diese Fische haben ein Atemorgan im Kopf, das Labyrinth, über das sie atmosphärische Luft von der Wasseroberfläche aufnehmen. Achtet man mal auf die Kiemen, so bemerkt man, daß sich diese nicht wie bei üblichen Atmungsvorgängen bewegen. Eine ähnliche Atmung haben z.B. Panzerwelse, die über die sog. Enddarmatmung verfügen. In beiden Fällen hat dies den Vorteil, daß die Fische in extremen Situationen überleben können, was in der Natur die Trockenzeit ist, bei der nur einige Pfützen zurückbleiben und sich schnell aufheizen, außerdem viele Schadstoffe enthalten. Da in warmem Wasser weniger Sauerstoff gelöst werden kann, sterben die meisten anderen Fische aus Sauerstoffmangel (im Bezug dazu: Kaltwasserfische benötigen viel Sauerstoff und sind deswegen auch schlecht in warmem Wasser zu halten). Nicht jedoch diese von der Natur besonders ausgestatteten Fische. Sie laichen in dieser Zeit. Die meisten Labyrinther bauen Schaumnester und brüten lso ihre Eier über der Wasseroberfläche aus. Die Eier sind in Luftblasen eingeschlossen, die vom Männchen mit einem öligen Film umschlossen werden. Fällt ein Ei aus dem Nest, wird es wieder zurückgespuckt. Die Larven leben auch noch einige Zeit im Schaumnest, bis sie dann freischwimmen. Der Ablaichvorgang ist beim Kampffisch zu sehen: das Männchen umschlingt das Weibchen, dabei werden Eier und Samen abgegeben, danach werden die befruchteten Eier vom Männchen ins Schaumnest gespuckt. Das Abnehmen des Schaumnestes zur Aufzucht der Jungen in einem anderen Aquarium empfiehlt sich meiner Erfahrung nach nicht, da sehr viele Eier verpilzen. Wird das Nest im Aquarium belassen, schlüpfen bald die vielen Jungfische, die noch über die Kiemen atmen. Noch ein bis zwei Tage werden die Kleinen vom Vater bewacht, dann kann man diesen herausfanden, oder, was ich aus Erfahrung sagen kann, ist es auch möglich, die Jungfischschwärme abzusaugen und in ein separates Aquarium zu überführen, wichtig ist jedoch, daß man das Wasser der Eltern zu nahezu 100% verwendet.

Nach circa zwei Wochen stellen die Jungfische von Kiemen auf das Labyrinth um. Dies ist auch die Zeit, in der am meisten Fisch sterben, da entweder die Luftfeuchtigkeit oder die Lufttemperatur nicht ideal ist. Um dem etwas entgegenzuwirken, ist eine Abdeckung angebracht, die möglichst dicht abschließt und wenig Feuchtigkeit und Wärme hindurchläßt. Auch sollte man nicht unterschätzen, daß die kleinen Fische immer bis zur Wasseroberfläche müssen, um zu atmen. Daher sollte der Wasserstand nicht zu hoch sein, damit die Jungen nicht ersticken.

Die Wasseroberfläche muß für Labyrinthfische selbstverständlich immer erreichbar sein, damit die Fische nicht ertrinken! Würde man die Wasseroberfläche also abschirmen, hätten die Fische keine Möglichkeit, zu atmen.

Betta splendens - Kampffisch
Kann schon in kleinsten Becken gehalten werden. Schwierig ist es, mehrere Männchen zu halten, diese müssen zusammen aufwachsen, um einigermaßen verträglich zu sein. Das Männchen baut ein Schaumnest, in dem die Eier und Larven aufgezogen werden. Der Ablaichvorgang verläuft so, daß das Männchen das Weibchen umschlingt und dabei werden Samen und Eier abgegeben. Die Eier werden dann vom Männchen ins Schaumnest gespuckt. Nach dem Ablaichen sollte man das Weibchen aus dem Becken entfernen, das Männchen kann bis zum Freischwimmen der Jungen im Becken bleiben. Ungefähr eins von 100 Weibchen hilft beim Einsammeln der Eier ins Schaumnest. Mir ist außerdem aufgefallen, daß bei Zuchtformen auch die Weibchen untereinander unverträglicher sind. Dies ist mir bei gelben Weibchen aufgefallen.
Kampffische beim Ablaichen
© Kemnitz
Kampffisch Jungtier
© Kemnitz

Colisa lalia - Zwergfadenfisch
Ein Fisch, der auch in kleinen Aquarien mit reichlich Pflanzen gepflegt werden kann. Die Zucht ist einfach und auch in kleinen Becken möglich, jedoch erweist sich die Ernährung der vielen Jungfische als Problem, da diese sehr klein sind. Am ehesten sind Pantoffeltierchen zu empfehlen. Sowie die Jungen etwas gewachsen sind, sollten Artemianauplien gegeben werden, damit die Jungen schnell aus dem kritischen Alter herauskommen. Mir ist es bisher noch nicht gelungen, mehr als zehn Jungfische großzuziehen, wobei diese auch schlecht gewachsen sind, vielleicht infolge der problematischen Ernährung in den ersten Tagen.
© Kemnitz

Ctenopoma acutirostre - Leopardbuschfisch
Gehört zu den Kletterfischen.
Herkunft: Afrika, ist Briefmarkenmotiv in Burundi!

Artbeschreibung: Der Buschfisch ist ein etwas filigran wirkender Fisch mit ziemlich grossen Schuppen, riesigen Augen und einem riesigen Maul (im Verhältnist zur Körpergrösse). Der Fisch wird ungefähr 12 cm gross. Hübscher, anfangs etwas scheuer Fisch. Im Handel sind nur Wildfänge erhältlich, aber zu erschwinglichen Preisen.

Verhalten: Neu im Becken sehr scheu. Mit der richtigen Gesellschaft (ich halte sie mit Hemichromis lifalili zusammen) werden sie sehr rasch mutiger und kommen auch an die Hand zum Fressen. Man muss sich allerdings in Geduld üben. Am besten eine Gruppe von fünf bis sieben Tieren pflegen. Die Art ist sehr friedlich gegenüber anderen Fischen. Untereinander gibt?s zuweilen Raufereien, welche aber nur kurz andauern und der Rangordnung dienen. Die Art geht nicht hinter kleinen Fischen her (erstaunlicherweise).

Becken: Sehr wichtig ist eine wirklich dichte Bepflanzung. Die Wasseroberfläche sollte zwei Drittel verwachsen sein. Besonders geeignete Pflanzen sind Hygrophilia angustifolia und Valisnerien. Verstecke unter Wurzeln lieben sie sehr. Vergesellschaftung mit munteren Fischen ist von Vorteil. Becken ab 300 Liter sollten kein Problem darstellen. Wasserwerte neutral.

Zucht: Nur einmal im Basler Zolli gelungen (Zoo Basel). In einem mehrere tausend Liter fassenden Aquarium. Im dicht bepflanzten Becken wurde abgelaicht. Die Eier gelangen dank eines Öltröpfchens an die Wasseroberfläche, wo sie dem Schicksal überlassen werden. Aufzucht der Jungfische scheint nicht sehr heikel zu sein...wenn mal gelaicht wurde.

Futter: Fressen nahezu alles. Am liebsten grössere Brocken von Fischfilets. Feines Futter wird nicht gerne genommen. Die Futterstücke sollten der Grösse des Mauls entsprechen, und darin hat eine Menge Platz!

Sonstiges: Sehr schöner, ruhiger Fisch. Sehr gut mit anderen Fischen (sollten nicht zu ruppig sein) zu vergesellschaften. Eine Herausforderung ist es, das Vertrauen der Tiere zu gewinnen. Leider im Handel selten angeboten, obwohl die Tiere wegen ihrer geringen Grösse auch in verhältnismässig kleinen Becken gepflegt werden können. Mit gestreckten Brustflossen wirkt der Fisch sehr putzig. Die Tiere stehen selten waagerecht im Wasser. Vielmehr äugen sie neugierig und aufmerksam mit dem Kopf nach oben aus den Pflanzen heraus. Sie machen dem Namen Kletter- und Buschfisch alle Ehre.

Makropodus opercularis - Makropode
Der Makropode, oder auch Paradiesfisch genannt, gehört zu den Pionieren der Aquaristik, da er durch seine Genügsamkeit und der attraktiven roten und blauen Querstreifen oft gepflegt wurde. Temperaturen von 15- 30°C sind kein Problem, wodurch man ihn auch im Sommer in flachen Gartenteichen halten kann. Flache Gartenteiche deshalb, damit sich das Wasser schnell genug erwärmt und die Tiere eventuell auch einmal laichen. Allgemein ist zum Verhalten zu sagen, daß Paradiesfische sehr neugierig sind und auch gerne das Salz oder die Luftblasen von der Hand abfressen. Dies ist allerdings etwas lästig beim Säubern des Beckens. Außerdem sind sie eher ruhig und halten sich auch gern mal im Pflanzendickicht auf (Schwimmpflanzen). Das Stichwort "gefräßig" fällt mir noch ein, wenn ich zurückdenke, als ich ca. 100 Makropoden in einem 240-l-Becken aufgezogen habe und per Futterautomat 5-6 mal (!) pro Tag gefüttert habe. Außerdem fressen sie so ziemlich alles, was sie bekommen können (Trockenfutter, Tabletten, Frostfutter, Lebendfutter). Interessant finde ich immer, wenn sie interessiert zu einer Futtertablette am Boden schwimmen, diese kurz mustern und dann herzhaft zubeißen.
© Andreas Kinast

Trichogaster leeri - Mosaikfadenfisch
Mosaikfadenfisch, Angaben wie bei T. trichopterus. Zucht verhältnismäßig schwierig, das Männchen baut zwar große Schaumnester, kann aber nicht immer das Weibchen zum Ablaichen bewegen. Wichtig ist, daß der Wasserstand bei ca. 10 cm liegt und etwa 28°C warm ist. Gute Fütterung mit Frostfutter oder Lebendfutter sind zur Stimulierung zu empfehlen.
© frei verwendbar, Rebecca Devaux
© frei verwendbar, Rebecca Devaux

Trichogaster trichopterus - Punktierter Fadenfisch
Dieser Fisch ist in verschiedenen Farbvarianten (blau, gold, gescheckt) erhältlich. Genügsamer Pflegling, der auch leicht zu züchten ist: Das Männchen baut ein Schaumnest, in das die Eier gelegt werden. Die Jungen sind sehr klein und müssen zunächst mit Infusorien, dann mit Artemianauplien aufgezogen werden. Beckengröße nicht unter 80 cm wählen. Die Jungfischschwärme sind sehr zahlreich und umfassen nicht selten 500- 1000 Jungfische, von denen aber nur verhältnismäßig wenig überleben (wie auch bei den anderen Fadenfischen).
Trichogaster trichopterus
© Kemnitz


Mitwirkende
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